VON DER DUNKLEN NACHT DER SEELE
SPIRITUELLE KRISEN
Traurig und verwundert erklärte mir meine
damals neunjährige Tochter: "Ich hab' so Heimweh, obwohl
ich zu Hause bin." Den Urgrund seelischen Leids und menschlicher
Sehnsucht hat sie so einfach und wunderbar ausgedrückt.
Es gibt einen Urschmerz, der uns Menschen begleitet
und immer wieder einholt. Er zeigt sich in Gefühlen des Getrenntseins,
der Verlassenheit und einer tiefen Sehnsucht nach "Heimkommen".
Dieser Urschmerz ist die Antriebskraft für unsere spirituelle
Suche.
Das Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten
beschleunigt, auch die Häufigkeit der seelischen Krisen. Das
äußere Leben scheint uns zu überrollen und wird
immer komplizierter, das innere Leben verflacht. Den hohen Anforderungen
des Alltags fehlt die Golddeckung der Innerlichkeit. Die Einsamkeit
wächst und die Sehnsucht.
Es wird viel gejammert - "Opfer" gibt
es viele - und "Schuldige". Doch das spielt sich eher
auf der Oberfläche ab .Eine Vielzahl von seichten Auswegen
aus dem "Jammertal" wird uns angeboten. Manche "Erfolgsrezepte"
auf dem Esoterikmarkt dienen eher der Schmerzvermeidung, wollen
sie doch die Schattenseiten menschlichen Daseins nicht sehen.
Und der Schmerz holt uns ein. Dabei ist das größte
Hindernis, dass wir ihn uns nicht erlauben. Schmerz wird gleichgesetzt
mit Schwäche und Schwäche darf nicht sein. Unser Ego hat
keine Zeit für Schmerzen. So kämpfen wir dagegen an, nehmen
die Wunderpille, gehen zum Wunderheiler - was vielleicht kurzfristig
hilft, aber eine echte Entwicklung und Befreiung in der Tiefe unseres
Wesens verhindert.
"Die dunkle Nacht der Seele", das sind
Zeiten, wo ich dem Schmerz nicht mehr ausweichen kann, wo das Leben
keinen Sinn mehr zu haben scheint, wo alles, womit ich mich bisher
trösten konnte ohne Wirkung bleibt -tiefste, unerklärliche
Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit lähmen mich und drücken
mich auf den Grund meiner Seele. So fremd bin ich mir selber
Dieser Schmerz gehört zum Leben, wie
die Nacht zum Tag. Wenn es die Dunkelheit nicht gäbe, könnten
wir das Licht nicht als Licht erkennen. Wenn es die Täler nicht
gäbe, wüssten wir nicht was ein Berg ist. Und wenn es
den Schmerz, dieses Gefühl von Getrenntsein nicht gäbe,
könnten wir nicht zur wahren Freude finden, die aus der Überwindung
von Schmerz entsteht.
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