SEMINARINHALTE UND METHODEN
1. PSYCHOLOGIE IN ZUSAMMENARBEIT MIT DEM HOHEN
SELBST
Das zentralste Anliegen der Psychosynthese ist
es, Menschen auf dem Weg zu sich selbst zu begleiten, zu unterstützen
und sie mit ihrer tiefsten inneren Wahrheit, ihrem Wesenskern, dem
Hohen Selbst in Verbindung zu bringen.
Roberto Assagioli bezeichnet das Hohe Selbst als
die höchste Realität unseres Wesens. Einerseits repräsentiert
es die Einzigartigkeit eines Menschen, seinen ganz individuellen
Selbstausdruck wie die Fingerabdrücke, die Handschrift, seine
ursprünglichste Art und Weise in der Welt zu sein, sein Potential,
also auch alle zukünftigen Möglichkeiten und noch unentwickelten
Fähigkeiten. Andererseits ist es wie ein vereinigendes Zentrum,
ein ordnendes Prinzip, das trotz aller Veränderung und Entwicklung
eine Kontinuität des individuellen Bewusstseins gewährleistet.
Es kann auch verstanden werden als das individuelle
Zentrum des höheren Bewusstseins, damit ist es die Verbindung
zu noch höheren Bewusstseinsebenen.
Einfache, praktische, erlebnisorientierte Übungen
fördern den Kontakt zum Hohen Selbst und bringen die Energien
des Hohen Selbst zum Fliessen und zum Ausdruck. Über die Erfahrung
der "inneren Stimme" ist Führung und Austausch mit
der innersten Weisheit möglich und kann eine sehr persönliche
Beziehung zum Hohen Selbst aufgebaut werden. Immer wieder geht es
darum, Unbewusstes bewusst zu machen, dabei dient die Welt der inneren
Bilder, Symbole und Träume als Brücke zum Unbewussten.
Meditation und Reflexion sind wertvolle Werkzeuge.
2. VOM UMGANG MIT PROBLEMEN
Probleme und Krisen werden in der Psychosynthese
als Herausforderung zu Wachstum und Erweiterung betrachtet. Sie
tauchen dort auf, wo wir zu eng, zu begrenzt und zu wenig achtsam
sind. Unbewusste Seelenanteile zeigen sich als Probleme und fordern
uns auf, unser Potential zu erkennen, zu entwickeln und bisher ungenutzte
Fähigkeiten ins Leben zu integrieren. Es ist ein Weg, der zu
mehr Bewusstheit, mehr Klarheit und mehr Liebe führt.
Es geht also um die Fragen: "Was will dieses
Problem von mir? Was muss ich entwickeln? Zu was fordert es mich
auf? Was ist das Neue, das in mein Leben treten will?"
Siehe auch den Artikel im Anhang: "Schmerzen,
spirituelle Krisen".
3. DER WILLE ALS LENKENDE, LEITENDE KRAFT
Die Kraft des Willens gilt in der Psychosynthese als zentrale, vitale
Lebensenergie, die dem innersten Wesenskern des Menschen entspringt
und ihn befähigt, nach seiner eigenen, wesentlichen Natur zu
handeln. Wird diese Kraft geleugnet oder unterdrückt, führt
sie zu Unwillen und Willenlosigkeit, fühlen wir uns getrieben,
gedrängt oder gelähmt. Verzerrter Willensausdruck wird
zu Aggression, unterdrückte Willenskraft führt zu Depression.
Der Wille ist wie ein schlafender Riese in jedem
Menschen. Einfache praktische Übungen helfen, den Willen zu
entdecken, anzuerkennen, zu kultivieren und durch bewussten Ausdruck
zu schulen und zu stärken. Es ist der Weg vom "ich sollte,
ich muss" als Ausdruck äußerer und innerer Beschränkung,
was Druck und Widerstand hervorruft, zu einem "ich will und
ich kann und ich habe die Wahl", was Freiheit schenkt und Lebensfreude
bewirkt.
4. BEGEGNUNG MIT DEM INNEREN KIND
In jedem von uns wartet ein kleines Mädchen,
ein kleiner Junge darauf, von uns entdeckt zu werden. Dieses Kind
fühlt sich hilflos, verletzt, oft ohnmächtig dem Leben
ausgeliefert und es sehnt sich nach Zuwendung und Liebe. Es ist
dieses Kind, das Angst hat vor dem Verlassenwerden, vor dem Vereinnahmtwerden
und das sich nie gut genug fühlt. Verzweifelt fordert es Liebe
und Anerkennung von Außen und bekommt doch nie genug.
Das innere Kind annehmen und es lieben zu lernen,
weckt Mitgefühl und Verständnis für sich selbst,
liebevolle Anteilnahme und Unterstützung. Es führt zu
den tiefsten Wurzeln des Schmerzes, ist aber auch ein Heimkommen
zu einem beglückenden Frieden mit sich selbst. So wächst
die Bereitschaft, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen
.Dann erst werden wir erwachsen, frei, unabhängig und das Kind
kann uns seine ursprüngliche Weisheit, Kreativität, Fröhlichkeit
und Einfachheit schenken.
Siehe auch den Artikel im Anhang: Grundgedanken
zum Leben und zur Entfaltung menschlichen Bewusstseins.
5. SELBSTWERT UND SELBSTACHTUNG
Der Selbstwert eines Menschen ist ihm geschenkt,
jedem Menschen von Geburt an innewohnend. Selbstwert kann ich nicht
"machen", nicht verdienen - er will erkannt und bewusst
gemacht werden.
Oft werde ich gefragt: "Ist das nicht egoistisch,
sich so sehr mit sich selbst zu beschäftigen?" Dieser
Weg der Selbsterkenntnis hat nichts mit Egoismus zu tun, im Gegenteil!
Die Entdeckung wer wir in unserem tiefsten Wesen
sind, macht uns frei von jedem Egoismus.
Unsere Alltagspersönlichkeit tut als ob sie einen Wert hätte
und versucht ihren Wert durch Äußerlichkeiten zu sichern,
sie fordert oder erbettelt die Wertschätzung von außen.
Im Grunde fühlt sie sich nie gut genug. Sie schwankt beständig
zwischen Größenwahn und Kleinmut und spielt verschiedenste
Rollen, um Anerkennung und Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie will
bewundert oder bemitleidet werden. Den wahren Selbstwert zu finden,
ist mit Freude verbunden, nicht mit einem sich wichtig nehmen. Roberto
Assagioli sagt, in der Freude sind wir dem Hohen Selbst am nächsten.
6. TEILPERSÖNLICHKEITEN; UNSERE VIELEN
GESICHTER
Unsere Persönlichkeit ist nicht geeint, sie
scheint aus einer Summe von Rollen, die wir in den verschiedensten
Lebenssituationen spielen, zu bestehen. Es sind Verhaltensmuster,
meist Überlebensstrategien, die in der frühen Kindheit
veranlagt oder uns vorgelebt wurden. Teilpersönlichkeiten agieren
oft mit großer Eigendynamik, verwirren und erschweren unser
Leben ("das habe ich nicht gewollt
"). Sie sind wie
Verzerrungen einer guten Absicht: Sehnsucht nach Leben wird zur
Gier, statt zu natürlicher Lebendigkeit. Schutz vor dem verletzt
werden wird zu Misstrauen, statt zum Vertrauen in die eigene Kraft.
Teilpersönlichkeiten manipulieren und verfolgen
Strategien - so haben wir es als Kinder gelernt. Der direkten Erfüllung
unserer Bedürfnisse stehen sie im Weg. Oft drücken sie
Polaritäten aus. Da gibt es Nörgler und Kritiker, Jasager
und die immer Freundlichen, die Braven, die dann ganz böse
werden, die, die sich aufblähen und die, die dann zusammenbrechen.
Da treibt jemand an und da sind Saboteure und Verhinderer. Sie sind
wie "unerlöste" Teile in uns und können sehr
zerstörerisch sein. Ihnen mit Akzeptanz, Anteilnahme, Mitgefühl
und Verständnis zu begegnen hilft, sie zu erlösen und
bewirkt die Synthese dieser ursprünglich "eigenwilligen"
Teile mit der Gesamtpersönlichkeit. So wird Energie frei, die
dann dem direkten Selbstausdruck zur Verfügung steht .Ein strenger
innerer Kritiker wird zum Ratgeber oder der rücksichtslose
Antreiber zum verständnisvollen Ermutiger.
7. INTUITION UND KREATIVITÄT
Aus der Verbindung mit dem Hohen Selbst erwächst
der Mut und das Bedürfnis zum schöpferisch sein und das
Vertrauen in die eigene Intuition. Assagioli spricht von der "Intuition
als kreativem Zugang zur Wirklichkeit". Viele Künstler
schätzen die Methoden der Psychosynthese um kreative Prozesse
zu fördern und zu begleiten. Das Hohe Selbst ist die Verbindung
zu höheren Bewusstseinsebenen, zur Welt der Ideen, der Farben,
der Formen.
Arnold Mindell sagt, unser Ziel als Mensch sei:
"Kanal für den kosmischen Prozess zu werden, Kanal für
die Evolution unseres Universums zu sein". Es ist wie ein lebenslanges
Erkennen und Entdecken und da ist die Einladung, diesen unendlichen
Reichtum, der in der Tiefe unseres Wesens verborgen liegt, anzunehmen
und zu benutzen, zum Wohle des Ganzen und zum Besten für alle!
8. UND ES DARF GELACHT UND GEWEINT WERDEN
In den Seminaren gibt es Augenblicke innigster
Berührtheit, bodenloser Traurigkeit und unendlicher Freude
am Lebendigsein. Und es wird viel gelacht, gekichert und ausgelassen
getanzt. Des Lebens ganze Fülle
Und ich freue mich immer wieder daran, wie viel
Anteilnahme, Mitgefühl, Ermutigung und Verständnis die
Gruppenteilnehmer füreinander entwickeln. Die Grundstimmung
ist so herzlich und liebevoll und getragen von Leichtigkeit und
Akzeptanz. Es macht Hoffnung für die Zukunft zu erleben, dass
in einer Atmosphäre von Offenheit und Aufrichtigkeit, Menschen
bereit sind, ihre Herzen zu öffnen und sich wirklich zu begegnen.
9. ZUSAMMENFASSEND
Die Psychosynthese ist ein Prozess, der
durch Wahrnehmen, Bewusstwerden und ausdauerndes Üben seelisches
Wachstum bewirkt. Durch aktive Mitarbeit können werden wir
zu "unseres Glückes Schmied" und lernen, das Leben
in seiner Tiefe, seiner Gewöhnlichkeit und in seinem Geheimnis
zu erfahren und zu erstaunen.
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