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„Der Prozess der Gewaltfreien Kommunikation unterstützt unsere Fähigkeit, selbst unter erschwerten Bedingungen menschlich zu bleiben. Er erinnert uns an das, was wir bereits wissen – wie menschliche Verbundenheit aussehen kann und hilft uns bei der konkreten Umsetzung dieses Wissens im Leben.“ „Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als ‚gewalttätig’, dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid – bei uns selbst oder bei anderen.“
 
Marschall B. Rosenberg

EINE SPRACHE DES HERZENS

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Was sich wahrscheinlich die Herzen aller Menschen in der Begegnung mit anderen wünschen, ist ein lebendiger Austausch, wahrgenommen werden, verstanden und gehört werden. Dazu braucht es eine Sprache, eine Ausdrucksweise, die verbindend und nicht trennend wirkt. Darum bin ich so froh, dass mir die Gewaltfreie Kommunikation als Werkzeug „begegnet“ ist – um in Sprache zu übersetzen, was mein Herz längst erkannt hat.

Denn das Herz erkennt und weiß einfach - und das ist kein statischer Zustand, sondern pulsierendes Leben, das nach Ausdruck verlangt.

Kinder leben aus diesem lebendigen Reichtum und dieser ursprünglichen Verbundenheit mit dem Leben. Das macht sie so beweglich, offen, ehrlich, neugierig, spontan, mutig und kreativ. Im Laufe des Lebens wird diese ursprüngliche Kraft jedoch unterdrückt und verschüttet.

Unser soziales Umfeld ist getragen von Bewertung und Beurteilung, von Belohnung und Bestrafung, von richtig und falsch und gut und böse. Um zu überleben mussten wir uns anpassen und den Regeln dieses Systems entsprechen. So haben wir feine Antennen dafür entwickelt, was andere von uns erwarten und gleichzeitig den Kontakt zu unseren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen verloren.

Für mich ist Gewaltfreie Kommunikation wie eine Rückverbindung zu dieser ursprünglichen Lebendigkeit über die Sprache. Eine Form der Kommunikation, die Nähe und Begegnung möglich macht, indem ich lerne wirklich zuzuhören und auszudrücken, was mich und meine Mitmenschen wirklich bewegt.

Gefühle und Bedürfnisse sind wie das Herz der Gewaltfreien Kommunikation. Über unsere Gefühle wird uns bewusst, wie es uns geht, was wir uns wünschen, was wir wollen und brauchen. Wenn ich müde bin, brauch’ ich Ruhe, wenn ich traurig bin vielleicht Trost, wenn ich wütend bin Verständnis. Wenn ich gelangweilt bin – was brauch’ ich? Vielleicht Lebensfreude, Inspiration, Interesse... Meine „guten“ Gefühle – ich bin zufrieden, glücklich, entspannt – zeigen, dass meine Bedürfnisse erfüllt sind.

Gefühle führen uns zu Bedürfnissen, Bedürfnisse führen uns zu Bitten oder den Strategien, die der Erfüllung unserer Bedürfnisse dienen.

Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse, sie sind wie eine verbindende Ebene, die die Menschen miteinander teilen. Wir alle sehnen uns nach Frieden, Ruhe, Nähe, Wertschätzung, Verständnis... Wenn wir uns bewusst machen, dass es uns wirklich um Frieden geht - und diese Sehnsucht schlummert in den Herzen aller Menschen - dann können wir diesen Wunsch nach Frieden wie die weiße Fahne vor uns hertragen und Krieg und Gewalt hätten keinen Platz mehr.

Und wenn ich übe, hinter den Worten, auch derer die mich kritisieren oder beschimpfen, unerfüllte Bedürfnisse zu hören, wird es mir immer mehr gelingen, Anfeindungen nicht mehr persönlich zu nehmen.

„Es ist einfach, aber nicht leicht..“ sagt Ingrid Holler in der Einleitung zu ihrem „Trainingsbuch Gewaltfreie Kommunikation“. Auf jeden Fall ist es lohnend und befriedigend, sich auf den Weg zu machen, zu lernen und zu üben.

Es braucht eine innere „Umerziehung“ von einer bewertenden, urteilenden Grundhaltung - die uns anerzogen wurde - zu einer Haltung von Mitgefühl und Verständnis, der wir als Kinder so nahe waren, und die unserem wahren Wesen viel mehr entspricht.

Gewaltfreie Kommunikation ist inzwischen eine weltweite Bewegung und findet Anwendung in allen Lebensbereichen, hilft zu einem besseren Umgang mit sich selbst, verbessert persönliche und berufliche Beziehungen und dient der Kommunikation im Erziehungswesen, im Sozial- und Gesundheitsbereich, in wirtschaftlichen Organisationen, im Strafvollzug, in der Friedensarbeit, zur Konfliktlösung und Prävention von Gewalt und in der Mediation.

Im Anhang finden Sie eine ausführliche Liste von Gefühlen und Bedürfnissen.

Literaturempfehlungen:

Marshall B. Rosenberg „Gewaltfreie Kommunikation“ - eine Sprache des Lebens Junfermannverlag

Marshall B. Rosenberg „Die Sprache des Friedens sprechen“ in einer konfliktreichen Welt Junfermannverlag

„Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation“ ein Gespräch mit Gabriela Seils Verlag: Herder Spektrum